Eisbären in Island töten „nur logisch“

Die Entscheidung, einen Eisbären zu erschießen und zu töten, der am Samstagabend in Island auftauchte, entsprach dem offiziellen Verfahren und war eine „einfache Entscheidung“ für die Polizei, wie sich herausstellte.

Der an diesem Wochenende getötete Bär war der fünfte, der in diesem Jahrhundert in Island ankam. Seit der Besiedlung des Landes im 8. -9. Jahrhundert wurden in Island rund 600 Eisbären gesichtet, aber die tatsächlichen Ankünfte könnten natürlich noch viel mehr sein.

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Im Jahr 2008 kamen zwei Eisbären innerhalb weniger Wochen an. Es wurde beschlossen, den zweiten zu retten, indem er betäubt und in den Kopenhagener Zoo geschickt wurde. Die Mission scheiterte und das Tier musste getötet werden, als es versuchte, ins Meer zu fliehen.

Einer der 2008 getöteten Bären.

Einer der 2008 getöteten Bären. Foto: Iceland Monitor/Skapti

Nach diesen beiden Vorfällen im Jahr 2008 setzte Islands Umweltminister eine Arbeitsgruppe ein, um Vorschläge zu machen, wie mit der Ankunft von Eisbären in Island in Zukunft umgegangen werden kann.

Die von der Gruppe konsultierten Experten stellten einstimmig fest, dass ein Eisbär weit weg von seinem natürlichen Lebensraum immer eine Bedrohung darstellt. Die Gruppe kam zu dem Schluss, dass Eisbären, die an Land in Island ankommen, getötet werden sollten, und stützte ihre Entscheidung auf drei Hauptargumente:

  1. Sicherheit – Eisbären stellen eine Bedrohung für die Öffentlichkeit und das Vieh dar. Bestände – Eisbären, die nach Island kommen, stammen höchstwahrscheinlich aus Ostgrönland, wo die Eisbärenbestände gesund sind und dem Verlust des einen oder anderen Tieres standhalten können.
  2. Kosten – Die Kosten einer Rettungsaktion für einen einzelnen Eisbären könnten sich auf mehrere zehn Millionen isländische Króna (10 Millionen ISK ≈ 75.000 €) belaufen
Ein Eisbärenkadaver aus dem Jahr 2010.

Ein Eisbärenkadaver von 2010. Foto: Island Monitor/Líney

Die Entscheidung, einen Bären zu töten, wird von der isländischen Polizei auf der Grundlage einer Gefährdungsbeurteilung getroffen. Eisbären sind ansonsten nach isländischem Recht eine geschützte Art und dürfen nicht getötet werden, wenn sie auf See oder Eisschollen schwimmen.

Die Internationale Union für die Erhaltung der Natur und der natürlichen Ressourcen (IUCN), die eine offizielle ‚rote Liste‘ der weltweit gefährdeten Arten führt, hat nie Einwände gegen das ‚Bestandsargument‘ der Arbeitsgruppe erhoben.

Die Rettungskosten würden sich nicht auf einzelne Operationen beschränken. Die Kosten für die Ausbildung von Mitarbeitern und die Wartung der erforderlichen Ausrüstung werden auf 10-15 Millionen ISK (ca. €75-110.000) pro Jahr – auch wenn keine Eisbären auftauchen.

Ein lebender Eisbär, der 2011 im Nordwesten Islands umherstreift.

Ein lebender Eisbär, der 2011 im Nordwesten Islands umherstreift. Foto: Isländische Küstenwache

Der für den Vorfall an diesem Wochenende zuständige Polizist sagte, dass die Beurteilung der Szene einfach sei. „Kein Zweifel in meinem Kopf. Das Tier war der menschlichen Besiedlung extrem nahe.“ Eine Gruppe von Touristen hatte Berichten zufolge auch ein Zelt weniger als einen Kilometer entfernt aufgeschlagen.

Laut der Direktorin der isländischen Umweltbehörde Kristín Linda Árnadóttir müssen eine ganze Reihe von Kriterien erfüllt sein, damit ein Eisbär in Island gerettet und nicht getötet werden kann.

Es muss ein festgelegtes Ziel für das Tier geben, es muss eine geeignete Unterkunft für den betäubten Bären vorhanden sein, und es muss geschultes Personal zur Hand sein, sowie ein Kommandoschütze, der im Schießen aus einem Hubschrauber geschult ist.

Bei früheren Gelegenheiten hat Island versucht, die Zustimmung der Behörden in Grönland zu erhalten, um gerettete Eisbären dorthin zurückzubringen, aber eine solche Genehmigung wurde nie erteilt.

Offizielle Sichtungen von Eisbären in Island seit der Besiedlung.

Offizielle Sichtungen von Eisbären in Island seit der Besiedlung. Foto: Isländisches Institut für Naturgeschichte

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